Wie erhalten die Kommunen Zertifikate?
Die Erstverteilung der Zertifikate an die Kommunen soll immer kostenlos anhand eines bevölkerungsbasierten Verteilungsschlüssels erfolgen. Hierfür spricht nicht nur die höhere Akzeptanz im kommunalen Raum, sondern auch dass Auktionen die Effizienz und die Stabilität des Zertifikatsystems senken. In den Experimenten zeigte sich, dass die Preise eine höhere Volatilität aufweisen und die persistenten Preisunterschiede zwischen Auktion und kontinuierlichem innerkommunalem Handel eine effiziente Allokation der Zertifikate verhindern.
Für die kostenlose Zuteilung der Zertifikate kommt ein Schlüssel zur Anwendung, der die Bevölkerung als Bedarfsindikator einer Kommune heranzieht. Dieser Schlüssel teilt die kostenlose Zuteilungsmenge für ein Jahr auf alle Städte und Gemeinden Deutschlands nach deren Bevölkerungszahl genau auf. Zur Berücksichtigung der unterschiedlichen größenabhängigen Flächenbedarfe gibt es drei Größenklassen: Kommunen bis 50.000 Einwohner, Städte von 50.000 bis 100.000 Einwohnern und Großstädte ab 100.000 Einwohnern.
Abhängig vom Flächensparziel und dem Anteil kostenloser Erstzuteilung erhält jede Kommune eine unterschiedliche Erstausstattung an Zertifikaten (s. hierzu: Zertifikate-Rechner). Grundsätzlich ist zu beachten, dass mit der Erstzuteilung nicht festgelegt wird, wie viel die Gemeinden letztendlich ausweisen dürfen. Da die Zertifikate anschließend gehandelt werden können, entscheidet der Zuteilungsschlüssel aber darüber, ob eine Kommune beim Flächenhandel vorrangig als Käufer oder Verkäufer auftreten wird.
Die auf Basis der Bevölkerungszahl einer Kommune vorgenommene Erstzuteilung der Zertifikate hat sich im Modellversuch bewährt und erfährt von Seiten der Städte und Gemeinden eine relativ hohe Akzeptanz.
Zudem zeigte der Modellversuch, dass ein Flächenzertifikatehandel in der Praxis seine optimale Wirkung am besten entfalten kann, wenn die Zertifikate vollständig kostenlos an die Kommunen verteilt werden:
- Hierdurch verbleiben alle durch den Handel mit Zertifikaten ausgelösten Mittelflüsse bei den Kommunen.
- Kommunen, die durch langfristige Stadtentwicklungsstrategien ihren eigenen zukünftigen Bedarf abschätzen, können verstärkt auf Innenentwicklung setzen und ihre zugeteilten Kontingente zu optimalen Bedingungen veräußern, sodass sie durch den
Flächenzertifikatehandel Vorteile haben.
- Kommunen, die sich nicht an dem Gebot der flächensparenden Siedlungsentwicklung orientieren und weiterhin in großem Umfang neue Siedlungsflächen im Außenbereich ausweisen, haben durch den Flächenzertifikatehandel Nachteile.
- Alle Kommunen können durch die jährliche kostenlose Zuteilung der Zertifikate ihre langfristigen flächenpolitischen Planungen zuverlässig und strategisch nach Maßgabe der zu erwartenden Zertifikate durchführen, da jeder Kommune (in größerem
Umfang) bekannt ist, wie viele Zertifikate sie jährlich erhalten wird, und sie diese Zertifikate auch über mehrere Jahre ohne Restriktionen ansparen kann.