Klimaanpassung in der landwirtschaftlichen Berufsausbildung (KlimalaB)

- Nominiert für den Blauen Kompass 2020 -
Die Landwirtschaft mit ihren wissensintensiven Betriebsabläufen ist unmittelbar von den Folgen des Klimawandels betroffen und unterliegt einem gesteigerten Anpassungsdruck. Die Integration des Themenkomplexes Klimaanpassung in die berufliche Aus- und Fortbildung ist daher dringend geboten. Das Berufsbildungszentrum am Nord-Ostsee-Kanal in Rendsburg (SH) setzt mit dem Projekt "KlimalaB" genau dort an: Die Entwicklung eines praxisorientierten Lernfeldes zum Thema "Anpassungsstrategien an den Klimawandel" im Unterricht der landwirtschaftlichen Fachschule.
Ziel ist es, den zukünftigen Betriebsleiterinnen*Betriebsleitern Wege aufzuzeigen, wie sie den Herausforderungen des Klimawandels zukunftsweisend begegnen können. Die Erarbeitung der Unterrichtsinhalte wird gemeinsam von den Schülerinnen*Schülern und Lehrkräften der Landwirtschaftsschule durchgeführt. Die angehenden Landwirtinnen*Landwirte beschäftigten sich dabei mit den bereits jetzt spürbaren Folgen des Klimawandels auf die Landwirtschaft und erarbeiten geeignete Anpassungsmaßnahmen. Die Auswirkung der Wetterextreme in den vorangegangenen Jahren 2017 (Starkregenereignisse / Staunässe) sowie 2018 (Dürre) führten dabei den Schülerinnen*Schülern unmittelbar die Gefahren für den Agrarsektor vor Augen. Dieser Aspekt der "Sensibilisierung durch Betroffenheit" bildet einen starken Hebel, sich diesem Thema zu öffnen.
Durch die Bereitstellung, die Vermittlung und die praktische Veranschaulichung von Wissen zum Thema Klimawandel und Klimaanpassung werden die Schülerinnen*Schüler in einem ersten Schritt für diesen Themenkomplex sensibilisiert. Dadurch werden sie in die Lage versetzt, bereits während der Projektlaufzeit selbstständig auf ihren eigenen landwirtschaftlichen Betrieben die Folgen des Klimawandels zu erkennen, zu bewerten und vorausschauend passende Anpassungsmaßnahmen abzuleiten.
Externe Unterstützung erhält das Projekt von einer Reihe an Partnern, die ihre Erfahrungen im Bereich der klimaangepassten Landwirtschaft mit den Schülerinnen*Schüler angewandt teilen. Gemeinsam wurden Bausteine für den Theorieunterricht entwickelt sowie fachpraktische Lösungen auf den Betrieben der Schülerinnen*Schüler getestet. In der Meister*innenausbildung werden zusätzlich die Auswirkungen des Klimawandels sowie verschiedene betriebliche Reaktionsmaßnahmen ökonomisch bewertet. Fachexkursionen, Expertenvorträge, ein Stand auf der Landwirtschaftsmesse und die Organisation von Fachtagen zum Thema "Bodenfruchtbarkeit" runden hierbei das Projekt ab.
Klimaschutzmanagement Masterplan "100% Klimaschutz in der Region Flensburg"; Eggebek Boben op e.V.; Hürup
Abfallwirtschaftsgesellschaft Rendsburg Eckernförde mbH; Borgstedt Ökoring Versuchs- und Beratungsring; Kreis Rendsburg Eckernförde, Klimaschutzmanagement
Die Kosten lagen bei knapp 27.000 €
Das Projekt wird im Rahmen der „Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel“ (DAS) zu 80 % gefördert. Die restlichen Eigenmittel ergeben sich durch eine 15 %ige Kofinanzierung durch den Landkreis „Rendsburg-Eckernförde“ und eine 5 %ige Eigenfinanzierung durch das Berufsbildungszentrum Nord-Ostsee-Kanal.
Durch Exkursionen zu bereits klimaangepasst wirtschaftenden Betrieben, die Einladung von Landwirten*Landwirtinnen sowie Fachexpertinnen*Fachexperten in den Unterricht sowie die Wirkung der Schüler*innen als Multiplikatoren auf den eigenen Betrieben (Eltern, Ausbilder*in, Betriebsnachbarn und Freunde) erreicht das Projekt einen größeren Kreis an landwirtschaftlichen Praktikern.
In der landwirtschaftlichen, regionalen Fachpresse (Bauernblatt) wurden bisher zwei Artikel zu dem Projekt veröffentlicht. In der lokalen Presse (SHZ) wurde ein Artikel veröffentlicht, ebenso in der bundesweit erscheinenden Fachzeitschrift B&B Agrar.
Das Klimaschutzmanagement der Region Flensburg als Kooperationspartner hält im Rahmen der Vorstandssitzungen kommunale Vertreter über die Projektentwicklung auf dem Laufenden. Dadurch werden die Erfolge insbesondere in der ländlichen, landwirtschaftlich stark geprägten Region verbreitet.
Den Schülerinnen*Schülern wird durch das Projekt erstmalig eine schulinterne Plattform geboten, die einen horizontalen (S-S; L-L) und vertikalen (S-L) Austausch zu dem Thema Klimawandel und Klimaanpassung ermöglicht. Die Schaffung der schulinternen Funktionsstelle eines Projektkoordinators als unabhängige Ansprechperson dient hier als wichtige, dauerhafte Anlaufstelle gegenüber den Lehrkräften, den Schüler*innen, der Schulleitung und den externen Partnern. An der hiesigen Fachschule wird derzeit noch nach fachspezifischen Schwerpunkten unterrichtet - Pflanze, Tier, Betriebswirtschaft. Durch das Projekt konnte erstmalig ein fächerübergreifendes Lernfeld entwickelt werden, welches sich in seiner Struktur und Aufbau künftig auch als Blaupause für andere Themenschwerpunkte eignet.
Als Folge klimaangepasster Anbausysteme werden die Fruchtfolgen weiter gestellt und der Boden unterliegt einer schonenderen Bearbeitung. Der Fokus liegt dabei auf der Steigerung des Bodenhumusgehaltes und der gesamten Bodenfruchtbarkeit. Durch die Einsparung von synthetischem Dünger und die Wiederherstellung des Bodens zur Kohlenstoffsenke werden wichtige Beiträge zur THG-Minderung geleistet.
Rendsburg-Eckernförde