Klimafolgen
LÄNDERSPEZIFISCHE KLIMAÄNDERUNGEN
Bereits aufgetretene und erwartete Klimaänderungen
Beobachtet: Zunahme der Jahresmitteltemperatur; Zunahme von Starkniederschlägen, Verschiebung von Temperatur- und Niederschlagsmustern
Erwartet: Verschärfung der beobachteten Trends und Zunahme von Wetterextremen
Wichtige Studien und Projekte
Im August 2024 wurde der LANUV-Fachbericht 157 unter dem Titel „Klimaentwicklung und Klimaprojektionen in Nordrhein-Westfalen – Datengrundlage und Wissenschaftlicher Hintergrund der Klimaanpassungsstrategie“ veröffentlicht. Der Bericht fasst alle verfügbaren Daten zur vergangenen und zukünftigen Klimaentwicklung in NRW zusammen. Die Daten reichen von Temperatur und Niederschlagsdaten, über Kenntage, Vegetationszeit und Waldbrandgefahr bis hin zu Wasserhaushaltsgrößen und Pegeldaten. Diese Parameter wurden für drei verfügbare Klimaszenarien untersucht, wobei für Klimaanpassungsmaßnahmen die Empfehlung ausgesprochen wurde, sich aus Vorsorgegründen und aufgrund des aktuellen Stands zum Klimaschutz an das Szenario RCP8.5 anzupassen.
Der im Dezember 2021 veröffentlichte „Klimabericht NRW 2021“ des LANUV NRW beschreibt anhand von 79 Indikatoren die Entwicklung des Klimas in Nordrhein-Westfalen in den zurückliegenden 140 Jahren sowie die Folgen des Klimawandels für Umwelt und Gesellschaft. Neben Indikatoren für verschiedene Umweltbereiche wie Wasser, Boden und Biodiversität werden auch Indikatoren für Handlungsfelder außerhalb der Umweltthematik aufgegriffen, wie zum Beispiel Katastrophenschutz, menschliche Gesundheit und Stadtentwicklung. Zudem wird auch die Anpassung an den Klimawandel betrachtet. Alle Indikatoren des Klimaberichts sind online auf der Seite des Klimafolgen- und Anpassungsmonitorings NRW gelistet und detailliert beschrieben.
Der „Umweltzustandsbericht Nordrhein-Westfalen 2020“ widmet sich ebenfalls in einem Kapitel den Themen Klimawandel, Folgen und Anpassung und zeichnet mit Hilfe verschiedener Umweltindikatoren, wie z.B. den Warming Stripes und der globalen Kohlendioxidkonzentration, der Apfelblüte oder der Treibhausgasemissionen, Entwicklungen und Trends zur Lage der Umwelt in Nordrhein-Westfalen nach.
Mit dem digitalen Klimaatlas Nordrhein-Westfalen stellt das LANUV NRW umfangreiche Informationen zum Klima und seiner Entwicklung in Nordrhein-Westfalen zur Verfügung. Die Auswertungen beruhen aus Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Der Klimaatlas gliedert sich in einen Kartenteil, mit zahlreichen Karten zum Klima der vergangenen Jahrzehnte sowie seiner zukünftigen Entwicklung, und einen Textteil mit vielen Hintergrundinformationen zu den Klimaparametern.
Im Rahmen des Projekts ExUS Extremwertstatistische Untersuchung von Starkniederschlägen in NRW (2010) wurde die Veränderung des Starkregenverhaltens seit 1950 in Nordrhein-Westfalen, differenziert nach Ereignisdauer und Auftretenswahrscheinlichkeit, untersucht. Die Ergebnisse können herangezogen werden, um Hochwasserschutz, Siedlungswasserwirtschaft und auch Bodenschutz im Hinblick auf Starkregenereignisse anzupassen. Das Projekt ExUS wurde im Jahr 2020 fortgeschrieben (ExUS2020).
Länderspezifische Klimamodelle und Klimaprojektionen
Mit Hilfe des Deutschen Wetterdienstes werden seit 2016 Klimaprojektionen des CORDEX-Projektes für Nordrhein-Westfalen ausgewertet. Diese Daten basieren auf den RCP-Szenarien. Eine Veröffentlichung erster Ergebnisse (Temperatur und Niederschlag) erfolgte im Umweltbericht NRW 2016, die aufbereiteten Ergebnisse und weitere Parameter der RCP-Projektionsdaten werden nun im Klimaatlas NRW entsprechend des DWD-Referenz-Ensemble von 2018 dargestellt.
Für den LANUV-Fachbericht 157 wurden zusätzlich einige Parameter aus den Einzellaufkombinationen des DWD-Referenz-Ensembles v2018 vom LANUV spezifisch für NRW ausgewertet. Hierbei handelt es sich um die Parameter: Hitzewellen (min. 3 aufeinanderfolgende Tage mit einer Lufttemperatur von 30 °C, Spätfröste in der Vegetationszeit, Starkniederschlagstage mit einer Tagesniederschlagssumme >50 mm, Trockentage mit einer Tagesniederschlagssumme unter 1 mm, Trockenperioden sowie Kühl- und Heizgradtage.
LÄNDERSPEZIFISCHE KLIMAFOLGEN UND VULNERABILITÄT
Bereits beobachtete und erwartete Klimafolgen
Beobachtet: Veränderte Vegetationszeiten; früheres Eintreffen von Zugvögeln; Vorverlegung der Brutzeit; Veränderung der Populationsgrößen; Arealverschiebung; Neobiota; Zunahme der Bodentemperatur; Erhöhung der Regenerosivität; Zunahme der Waldbrandgefahr; Zunahme der Wassertemperaturen und Einschränkung der Kühlkapazität; Zunahme der Hitzebelastung (heiße Tage)
Erwartet: Ernteeinbußen und zunehmende Bodenerosion durch Extremwetterereignisse; zunehmende Gefährdung durch Schaderreger; Humusabbau; Teilweise Ertragssteigerung durch längere Vegetationsperioden & CO2-Düngung; Zunahme von Sturmwurf & Waldbrandrisiko; Änderung der Standorteigenschaften und Baumartenzusammensetzung; Veränderung der saisonalen Abflussmuster; Verschlechterung der Gewässerqualität; positive Entwicklung beim Sommertourismus (Zunahme der Tage im Komforttemperaturbereich); negative Entwicklung beim Wintertourismus (Abnahme der Schneesicherheit); weitere Zunahme der thermischen Belastung
Wichtige Studien und Projekte
Das Land Nordrhein-Westfalen führte zahlreiche Studien und Projekte zu Klimafolgen- und Anpassungsforschung durch. Im Folgenden ist eine Auswahl wichtiger Studien dargestellt:
Handlungsfeld übergreifend:
- Klimafolgen- und Anpassungsmonitoring NRW (KFAM): Um den Verlauf des Klimawandels und dessen Folgen für NRW zu ermitteln, wurde erstmalig 2011 das Klimafolgenmonitoring eingerichtet. Seitdem dokumentiert das LANUV den Klimawandel und seine Folgen mithilfe geeigneter Indikatoren. Ziel ist es, Effekte in Natur und Umwelt, auf die der Klimawandel einen Einfluss hat, frühzeitig zu erkennen, um rechtzeitig und angemessen auf Veränderungen und Risiken reagieren zu können. Das Klimafolgenmonitorung wurde seitdem zu einem Klimafolgen- und Anpassungsmonitoring (KFAM) weiterentwickelt und enthält nun neben den Indikatoren, die die Klimaentwicklung selbst (State-Indikatoren) oder deren direkte Folgen (Impact-Indikatoren) beobachten, auch solche Indikatoren, die die Reaktionen der Natur oder Maßnahmen der Gesellschaft auf beobachtete Wirkungen des Klimawandels aufzeigen und somit Anhaltspunkte für eine Anpassung an den Klimawandel liefern (Response-Indikatoren).
- Der „Klimabericht NRW 2021“ präsentiert erstmalig die Ergebnisse des gegenüber dem bisherigen Klimafolgenmonitoring erweiterten KFAM anhand von 79 Indikatoren in insgesamt 16 Handlungsfelder. Diese werden gegliedert gemäß folgender vier Themenfelder dargestellt: Umwelt, Mensch, Planung und Bau sowie Wirtschaft.
Das Umweltministerium NRW und auch das LANUV haben verschiedene Studien zu den Auswirkungen des Klimawandels auf verschiedene Sektoren veröffentlicht:
Im „LANUV-Fachbericht 110, Teil IX: Projektionen der Grundwasserneubildung unter dem Einfluss des Klimawandels in Nordrhein-Westfalen mit dem Wasserhaushaltsmodell mGROWA und dem Regionalen Klimaprojektionen Ensemble (ReKliEs) für Deutschland“ (Herrmann et al., 2021) werden die Ergebnisse des Kooperationsprojektes GROWA+ NRW 2021 im Hinblick auf die Auswirkungen des Klimawandels auf die Grundwasserneubildung regional und landesweit in NRW dargestellt. Für die Modellierung des Wasserhaushalts wird das Wasserhaushaltsmodell mGROWA für NRW eingesetzt.
Das neue, 2021 überarbeitete „Waldbaukonzept Nordrhein-Westfalen – Empfehlungen für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung“ umfasst u. a. konkrete waldbauliche Behandlungsempfehlungen für Waldbestände. Ein wichtiger Aspekt des Konzepts ist die Berücksichtigung der bereits eingetretenen und zukünftig zu erwartenden Klimafolgen.
Anpassung
Politischer Rahmen und gesetzliche Anforderungen
Das Monitoring ist im Klimaanpassungsgesetz NRW (2021) fest verankert. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV NRW) erstellt dazu im Auftrag des MULNV das „Klimafolgen- und Anpassungsmonitoring“ für das Land (KFAM NRW) durch mit dem Ziel, Auswirkungen des Klimawandels auf Natur, Umwelt und Gesellschaft frühzeitig zu erkennen und die Wirkung von Anpassungsmaßnahmen in NRW messbar zu machen. Damit bietet das KFAM NRW die notwendige Grundlage dafür, Trends von Klimawandelwirkungen und den Fortschritt von Anpassungsprozessen zu verfolgen und die Weiterentwicklung von Anpassungspolitiken entsprechend bedarfsorientiert und gezielt zu steuern.
Das im Juli 2024 in Kraft getretene Klimaanpassungsgesetz des Bundes entspricht in weiten Teilen dem Landesgesetz NRW, sieht aber zusätzlich eine Verpflichtung zu kommunalen Klimaanpassungskonzepten als wesentliches Instrument vor, um vor Ort planvoll und abgestimmt auf die Risiken des Klimawandels zu reagieren. In welcher Form das Land NRW diese Verpflichtung der Kommunen bei einer anstehenden Novellierung des Klimaanpassungsgesetzes NRW aufgreifen und damit „scharf schalten“ wird, ist noch offen. Derzeit wird im Ministerium an einer Novellierung gearbeitet, um das bestehende Gesetz zu evaluieren, zu aktualisieren, weiterzuentwickeln und an die bundes- und landesweit laufenden Klimaanpassungsbemühungen anzupassen.
Länderspezifische Anpassungsmaßnahmen
Anpassungsoptionen sind i.d.R. in den Studien und Projekten zu Klimafolgen enthalten. Im Folgenden ist eine Auswahl wichtiger Studien dargestellt:
Handlungsfeld übergreifend:
- Pilotprojekt zur Entwicklung und Anwendung einer Systematik zur integrierten Bewertung sozial-ökologischer Wohnlagen: Im Rahmen des Projekts soll eine Systematik zur integrierten Bewertung sozial-ökologischer Lagen entwickelt und angewendet werden. Ein besonderer Fokus wird auf die Belastungen, die durch Folgen des Klimawandels entstehen, gelegt. Durch eine Identifizierung dieser Räume ist es den Kommunen möglich, Maßnahmen gezielt zuzuschneiden und zu priorisieren.
- Förderprojekt „Hitzeprävention von alleinlebenden Seniorinnen und Senioren in Recklinghausen“: Im Rahmen des Projektes soll ein Betreuungskonzept entwickelt werden, das dazu beiträgt Todesfälle oder schwere gesundheitliche Schäden infolge großer Hitze durch Temperaturschwankungen zu minimieren und Auswirkungen durch individuelle Verhaltens- und Verhältnisprävention zu reduzieren.
- Machbarkeitsstudie „Lebenswerte Straßen, Orte und Nachbarschaften“ (LesSON): Die Konzeptstudie schafft einen konzeptionellen Rahmen für den Umbau urbaner Quartiere/Nachbarschaften hin zu klimaresilienten, grünen und dekarbonisierten Begegnungsorten mit hoher Aufenthaltsqualität (Laufzeit: 2020-2021).
- Die „Arbeitshilfe kommunales Starkregenrisikomanagement – Hochwasserrisikomanagementplanung in NRW“ bietet kommunalen Fachplanern und Entscheidungsträgern praxisorientierte Hilfestellungen und ein landesweit einheitliches Vorgehen zur Risikominderung zum Thema Starkregenrisikomanagement.
- Projekt „Evolving Regions – NRW wird klimarobust“ (LIFE-Projekt): unter Berücksichtigung regionalspezifischer Vulnerabilitäten erfolgte die Entwicklung spezifischer Klimaanpassungsstrategien und –konzepte in acht Regionen (davon sieben NRW-Kreise, eine niederländische Region); gleichzeitig erfolgte eine Vernetzung der Akteure mit dem Ziel der Nutzung von regionalen und überregionalen Synergien (Laufzeit: 2019-2023).
- Pilotprojekt eea+/ European Climate Award eca: In einem zweijährigen Pilotprojekt wurde ein Qualitätsmanagement- und Zertifizierungssystem zur kommunalen Klimaanpassung in Anlehnung an den European Energy Award entwickelt. Die Entwicklung des Tools wurde im August 2017 abgeschlossen und das Tool wird nun unter dem Namen „European Climate Award“, kurz „eca“, geführt. Der eca hat sich im Rahmen des Modellversuches als eine passende Herangehensweise erwiesen, die es den Kommunen ermöglicht, strategisch, über alle relevanten Fachbereiche hinweg, die lokalen Auswirkungen des Klimawandels zu adressieren, passende Maßnahmen zu entwickeln und diese auch umzusetzen. Aus NRW haben 10 Kommunen am Pilotprojekt teilgenommen.
- Aufbauend auf dem oben genannten Pilotprojekt zum European Climate Award (eca) können sich Kommunen in NRW seit September 2019 über eine Förderrichtlinie die Umsetzung dieses oder anderer geeigneter Qualitätsmanagement- und Zertifizierungssysteme, welche die langfristige Integration der Klimaanpassung in Verwaltungshandeln durch einen auf mehrere Jahre angelegten, extern unterstützten Prozess beinhalten, vom Umweltministerium NRW fördern lassen.
Das Umweltministerium NRW und auch das LANUV haben mehrere Studien zu den Auswirkungen des Klimawandels auf verschiedene Sektoren sowie möglichen Handlungsoptionen veröffentlicht:
Klimaanalyse NRW: Für Nordrhein-Westfalen steht seit Frühjahr 2018 eine modellgestützte Klimaanalyse zur Verfügung. Die Studie erfasst landesweit die thermische Belastung im Siedlungsraum, stellt sie möglichen Ausgleichsflächen im Freiraum gegenüber und gibt Planungshinweise für unterschiedliche Planungsebenen. Zusätzlich untersucht sie die Betroffenheit der Bevölkerung gegenüber Hitzebelastungen und schätzt die mögliche zukünftige Entwicklung ab. Die Ergebnisse wurden sowohl in einer Kurz-Broschüre (LANUV-Info 41) zusammengefasst, als auch in einem ausführlichen Bericht (LANUV-Fachbericht 86) beschrieben. Die Hauptaussagen wurden in mehreren Karten aufbereitet, die im Klimaatlas NRW des LANUV enthalten sind. Zurzeit wird die Klimaanalyse aktualisiert, bei der Überarbeitung werden die Flächennutzungsdaten aktualisiert sowie die Auflösung der Modellierung deutlich erhöht.
Gründachkataster NRW: Mit dem Gründachkataster NRW liegt ein umfangreicher Datensatz über die möglichen Gründachpotenziale für ganz NRW vor. Es liefert für fast jede Dachfläche Informationen, ob die Dachfläche für die Gründachnachrüstung geeignet ist und wenn ja, welche Vorteile damit verbunden sind und welche ungefähren Kosten eine Nachrüstung nach sich zieht.
Das Projekt „Ein Informationssystem für klimaangepasste Stadtplanung in NRW, auf Basis einer Vorstudie an der Beispielstadt Bonn“ untersucht städtebauliche Anpassungsmaßnahmen hinsichtlich ihrer Wirkung und Effektivität in unterschiedlichen Stadtstrukturen. Die Ergebnisse werden Kommunen und Planer im Bereich „Hitzeangepasste Quartiersplanung“ im FIS Klimaanpassung bereitgestellt, wo die Wirksamkeit verschiedener Anpassungsmaßahmen geprüft werden kann. Darüber hinaus ist ein Abschlussbericht zum Projekt erschienen (Projektlaufzeit: 2016-2019)
Innenentwicklung und Klimaanpassung: Die Steuerung des sparsamen und nachhaltigen Umgangs mit Flächen unter der Leitlinie der Innenentwicklung ist eine zentrale Aufgabe für Gemeinden und Regionen und ein wesentlicher Baustein der Nachhaltigkeitsstrategie des Bundes und des Landes NRW. Das Forschungsfeld "Innenentwicklung und Klimaanpassung: Von städtischen Nutzungskonflikten zu stadtregionalen Synergien" zielt darauf ab, die Lücke zwischen den Themenkomplexen der Innenentwicklung und der Klimaanpassung zu schließen und diese miteinander zu verbinden. Anhand von Fallstudien und der Arbeit mit Kommunen wurde ein Handbuch für Kommunen erstellt.
Wald und Waldmanagement im Klimawandel: Anpassungsstrategie für Nordrhein-Westfalen (MKULNV, 2015): Die Entwicklung der Wälder benötigt einen sehr langen Vorlauf. Bereits heute müssen Entscheidungen getroffen werden, die unseren Nachfahren gesunde Wälder garantieren sollen. Die Anpassungsstrategie Wald umfasst sowohl Hintergrundinformationen, Beschreibungen der Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald in NRW sowie einen umfangreichen Maßnahmenkatalog zu Anpassungsmaßnahmen für verschiedene Bereiche der Waldwirtschaft. Die Maßnahmen sollen dazu beitragen die vielfältigen Leistungen des Waldes in NRW auch zukünftig zu erhalten.
Leitfaden zur Integration der potenziellen Bodenkühlleistung in stadtklimatische Konzepte zur Klimaanpassung in NRW (LANUV, 2015): In diesem Bericht wird beschrieben, wie die potenzielle Bodenkühlleistung in stadtklimatischen Konzepten genutzt und der Bodenwasserspeicher in der Stadt gezielt qualitativ und quantitativ verbessert werden kann.
Die landeseigene Klimaanpassungsstrategie 2024-2029 ist die zentrale Grundlage für die Klimafolgenanpassungspolitik des Landes Nordrhein-Westfalen. Sie stellt praxisorientierte Zielsetzungen und Maßnahmen der Landesregierung in 16 Handlungsfeldern dar. Diese wurden aus dem Klimaschutzplan Nordrhein-Westfalen 2015 übernommen und orientieren sich an den Handlungsfeldern der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel. Die Strategie wurde unter Einbindung aller Ressorts in Workshops zu allen 16 Handlungsfeldern entwickelt. Das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr hat im Strategieprozess eine koordinierende Rolle übernommen. Die in den Workshops erarbeiteten Ziele und Maßnahmen eines Handlungsfelds beschränken sich selten auf die Zuständigkeit eines einzelnen Ressorts. Vielmehr setzen die Ministerien Maßnahmen in mehreren Handlungsfeldern der Klimaanpassung um, an vielen Stellen in gemeinsamer Verantwortung.
Lokale Maßnahmen
Netzwerke und Kooperationen
Strukturen und Netzwerke ermöglichen es, vorhandenes Wissen zu teilen und gelebte Erfahrung auszutauschen. So kann die Verbreitung von Wissen beschleunigt und durch Interaktion Synergien geschaffen werden, die wichtige Impulse setzen können. Das Umweltministerium NRW unterstützt daher die Netzwerkbildung im Bereich Klimafolgenanpassung.
Ende 2021 wurde der Beirat Klimaanpassung NRW als Gremium zur Begleitung der Anpassungspolitik in Nordrhein-Westfalen eingesetzt. Durch seine breite Zusammensetzung aus Vertreterinnen und Vertretern verschiedener gesellschaftlicher Bereiche sollen unterschiedliche Erwartungen, Ansprüche und Bedarfe in die Gestaltung der Klimaanpassung einfließen und damit wichtige Impulse zur Weiterentwicklung der zukünftigen Ausrichtung der Klimaanpassungspolitik Nordrhein-Westfalens gesetzt werden.
Mit der Kommunalberatung Klimafolgenanpassung NRW unterstützt das Umweltministerium NRW seit dem Jahr 2019 Städte, Gemeinden und Kreise bei verschiedenen Fragen der Klimaanpassung. Seit Anfang des Jahres 2024 ist das Team der Kommunalberatung im LANUV angesiedelt. Das Angebot der Kommunalberatung zur Klimafolgenanpassung soll Kommunen stärken, die bereits klimaaktiv sind und sich weiterentwickeln wollen, und Kommunen sensibilisieren, motivieren und bedarfsorientiert unterstützen, die bislang keine oder nur wenige Aktivitäten in der Anpassung an die Folgen des Klimawandels unternommen haben. Die Kommunalberatung zielt darauf ab, die Klimafolgenanpassung in NRW-Kommunen als integrierten Bestandteil ihres kommunalen Handelns dauerhaft und wirksam zu verankern.
Da es sinnvoll ist, Anpassung an den Klimawandel auch im regionalen Kontext voran zu treiben, besteht in Nordrhein-Westfalen großes Interesse, kommunale Zusammenschlüsse und Konzepte im Bereich Klimaanpassung auf regionaler Ebene zu unterstützen. Im Zeitraum 2018/2019 fanden insgesamt fünf Regionalforen in NRW statt, die das Thema auf regionaler Ebene platzierten und Kommunen zu Kooperation und Vernetzung anregen sollten. Für die NRW-Großstädte gab es ein speziell zugeschnittenes zusätzliches Forum, um auch hier die Vernetzung sowie den Austausch der Akteure anzuregen bzw. zu unterstützen.
Zur regionalen Klimafolgenanpassung laufen zudem bereits einige Kooperationen. Beispielhaft zu nennen wären hier:
- Das bergische Städtedreieck – Solingen, Remscheid, Wuppertal (Projekt BESTKLIMA, gemeinsame Veranstaltungen zur Klimaanpassung)
- Der Kreis Euskirchen hat ein Klimawandelanpassungskonzept für das gesamte Kreisgebiet, in dem die Kreisverwaltung sowie alle Kommunen des Kreises Euskirchen hinsichtlich der Betroffenheiten durch den Klimawandel untersucht werden.
- Die Region Köln/Bonn hat eine regionale Klimawandelvorsorgestrategie.
- Das Rheinische Revier hat eine regionale Klimaanpassungsstrategie.
- In der Emscherregion hat sich im Jahr 2014 die Zukunftsinitiative "Wasser in der Stadt von morgen" gegründet. Diese Initiative wurde zur "Zukunftsinitiative Klima.Werk" weiterentwickelt.
- Für die Emscherregion wird zurzeit eine regionale Hitzeaktionsplanung erarbeitet (Projekt: „HAP.regio“)
- Der „Runde Tisch Klimaanpassung“ des RVR fördert den fachlichen Austausch zum Thema Klimaanpassung.
- Die Klimanetzwerke Südwestfalen und Münsterland beschäftigen sich sowohl mit Klimaschutz als auch mit Klimaanpassung.
Anpassungsstrategien und -konzepte einzelner Kommunen
Im Klimaatlas NRW gibt die Rubrik „Konzepte vor Ort“ einen Überblick über die Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen, welche über ein Klimaanpassungskonzept verfügen. Dabei wird unterschieden in "klassische" geförderte Klimaanpassungskonzepte (ehemals bis 2018 "Teilkonzept Klimafolgenanpassung"), "Integrierte Klimaanpassungskonzepte" (DAS-Leuchtturmprojekte), Klimaanpassungskonzepte, die ohne Förderung in Eigenregie erstellt oder beauftragt wurden und sogenannte "Integrierte Klimaschutzkonzepte" (ehemals bis 2018 "Integrierte Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzepte"), die einen Handlungsschwerpunkt Klimafolgenanpassung besitzen.
Kooperation und Austausch mit dem Privatsektor
Das Land NRW arbeitet bereits umfassend mit der Akteursgruppe privater Unternehmen zusammen und unterstützt diese in ihrem Prozess zur Steigerung der Klimaresilienz. Neben den Unternehmen, die sich bereits mit dem Thema der Anpassung an die Folgen des Klimawandels befassen oder dies zukünftig verstärkt tun wollen, stehen auch Unternehmen im Fokus, die Klimaanpassungsleistungen anbieten. Unternehmen, die Anpassungstechnologien und -lösungen bereitstellen und machen die vielfältigen Aktivitäten der Klimaanpassung „made in NRW“ sichtbar. So fördern wir die Potenziale der Klimaanpassungswirtschaft und unterstützen die Erschließung neuer (inter-)nationale Märkte.
Netzwerk Klimaanpassung & Unternehmen.NRW: Das Netzwerk dient seit 2021 als zentrale Anlaufstelle zur Sensibilisierung, Vernetzung und Motivation für nordrhein-westfälische Unternehmen. Neben den Unternehmen, die sich bereits mit dem Thema der Anpassung an die Folgen des Klimawandels befassen oder dies zukünftig verstärkt tun wollen, stehen auch Unternehmen im Fokus, die Klimaanpassungsleistungen anbieten. Fortlaufend werden verschiedene Veranstaltungen ausgerichtet Angebote geschaffen. Dazu gehören die Darstellung von Best-Practice Beispielen, ein Fördernavigator oder das jährlich stattfindende „Forum Klimaresilienz NRW – Unternehmen.Machen.Klimaanpassung“.
Resilience Expo: Private Unternehmen können dabei helfen, die Probleme der Klimakrise zu lösen. Das Angebot einer solchen Klimaanpassungswirtschaft ist vielfältig: Intelligentes Regenwassermanagement, hitze- und dürreresistente Pflanzen in der Landwirtschaft, sturm- und flutgeschützte Konstruktionsmethoden, Gebäudebegrünung und Warnsysteme zum Schutz vor extremen Hitzetagen. Solche Lösungen und viele andere Produkte, Technologien und Dienstleistungen aus dem Bereich der Klimaanpassung werden ab 2025 auf der Resilience Expo vorgestellt, der internationalen Messe der Klimaanpassungswirtschaft in NRW.
KLIMA.PROFIT NRW: Der modular aufgebaute KLIMA.PROFIT Prozess unterstützt Unternehmen auf ihrem Weg in die Klimaresilienz. In Kooperation mit weiteren Unternehmen wird ein rund 10 Monate umfassender Prozess durch geschulte Berater:innen mit dem Ziel durchgeführt, individuelle Lösungen und Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zu erarbeiten und umzusetzen. Koordiniert wird KLIMA.PROFIT auf kommunaler Ebene durch die jeweiligen wirtschaftsnahen Verwaltungsbereiche. Der KLIMA.PROFIT Beratungsprozess wurde von der EPC gGmbH im Rahmen eines durch das Land NRW kofinanzierten Modellvorhabens ausentwickelt (Laufzeit 2022 - 2023).
Die Best-Practice-Sammlung inkl. Kartendarstellung des Netzwerkes Klimaanpassung & Unternehmen.NRW gibt einen Überblick zu verschiedenen Vorhaben von Unternehmen die sich selbst an den Klimawandel anpassen oder mit ihren Produkten Dienstleistungen und Technologien zur Klimaanpassung beitragen.
EU und internationale Kooperation
Das Land Nordrhein-Westfalen ist Unterzeichnerin der von der EU-Kommission im September 2021 gestarteten EU-Mission „Anpassung an den Klimawandel“.
EU Horizon Projekt LAND4CLIMATE mit Beteiligung des Kreises Euskirchen