Schadstoffbelastung durch konventionelle Munition
Die Metallhüllen der Munitionskörper (zum Beispiel Bomben, Minen und Granaten) rosten mit der Zeit durch und setzten dabei die enthaltenen Schadstoffe in die Meeresumwelt frei. Bei den Schadstoffen handelt es sich bei konventioneller Munition um sogenannte Sprengstoff-typische Verbindungen (STV) wie 2,4,6-Trinitrotoluol (TNT) und weitere Nitroaromaten, Hexahydro-1,3,5-trinitro-1,3,5-triazin (RDX), Octahydro-1,3,5,7-tetranitro-1,3,5,7-tetrazocine (HMX). Insbesondere TNT und seine Metabolite sind als Nitroaromaten giftig, krebserzeugend und/oder erbgutverändernd.
Neben den Sprengstoff-typischen Verbindungen enthält die konventionelle Munition auch Schwermetalle wie Quecksilber. Auch die Schwermetalle gelangen nach dem Wegrosten der Metallhüllen in die Meeresumwelt.
Der analytische Nachweis dieser Chemikalien in der Meeresumwelt ist nicht einfach, da sie zurzeit noch in sehr geringen Konzentrationen auftreten und nur in der Nähe der Versenkungsgebiete höhere Konzentrationen erreichen und sich in Meeresorganismen wie Muscheln anreichern können.
Das Umweltbundesamt hatte daher das Institut für Toxikologie und Pharmakologie für Naturwissenschaftler des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel beauftragt, verschiedene biologische Proben (etwa Muscheln und Fische, aber auch marine Säuger) sowie Sediment auf verschiedene Sprengstoff-typische Verbindungen sowie ihre Metaboliten zu analysieren. Die gewonnenen Daten zur räumlichen Verbreitung und zeitlichen Entwicklung von STV in marinen Organismen wurden toxikologisch bewertet. Die Ergebnisse der Studie wurden 2024 in UBA TEXTE 129/2024 und in UMID online sowie in zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen veröffentlicht:
Trends zur Verbreitung von Munitionsresten in der Meeresumwelt (TATTOO Projekt)
Im Rahmen des CONMAR Projekts hat das Umweltbundesamt toxikologische Untersuchungen an marinen Kieselalgen mit mehreren Sprengstoff-typischen-Verbindungen durchgeführt und die Ergebnisse im Rahmen einer Risikobewertung veröffentlicht (Veröffentlichung TEXTE 136/2025 „Risk assessment of munition compounds in the German North and Baltic Sea (CONMAR-Impact)“). Weiterhin wurden Umweltqualitätsnormen für TNT als Basis für die Bewertung der gemessenen Konzentrationen im Wasser und in Muscheln und Fischen abgeleitet (Veröffentlichung: TEXTE 29/2026 „Derivation of Environmental Quality Standards for 2,4,6-Trinitrotoluene“). Derzeit führt das Umweltbundesamt mit seinem toxikologischen Labor in Marinefelde im CONMAR II Projekt Untersuchungen zur Mischungstoxizität von Sprengstoff-typischen Verbindungen und weiteren Schadstoffen durch.